Street Food
1000 Jahre Tradition in Palermo
Um es gleich vorweg zu nehmen - diese Street Food Spezialität ist für viele Nicht-Palermitaner tatsächlich "etwas speziell". Dabei ist es keineswegs eine neue Erfindung. Street Food war schon im palermitanischen Mittelalter beliebt. Damals war es für Christen, Juden und Moslems wichtig, gemeinsam Bürger Palermos zu sein - unabhängig von der Religion.
Im jüdischen Viertel (Visit Jewish Italy, it) um die Piazza Mischita herum gab es koschere Schlachtereien. Religiöse Regeln verbaten ihnen allerdings, Geld für eine Schlachtung zu nehmen.
Street Food in Palermo - Die Ursprünge
Nun sind Menschen aber immer schon gut darin gewesen, religiöse Essens-Regeln zu "interpretieren". In diesem Fall überliess man den Metzgern statt Geld einfach die Innereien. So entwickelte sich in Palermo eine regelrechte "Haute Cuisine" des Street Foods mit Leber, Milz und Magen.
Dann aber fiel Sizilien in die Hand der Spanier und ihrer Inquisition. Sie trieb im berüchtigten Palazzo Chiaramonte (Wikipedia) ihr Unwesen. Heute zeigt ein Museum im Palazzo Chiaramonte eindringlich, dass religiöser Irrsinn keineswegs eine "Erfindung" des Islams ist. Mit der Inquisition verschwanden das jüdische Leben Palermos, nicht aber die alten Street Food Rezepte.
Pani câ mèusa - Brötchen mit Milz
Eines von ihnen hat es heute zum Star der Street Food Szene Palermos gebracht: Pani câ mèusa (Wikipedia, it). Es basiert auf Milz-Stückchen, gemischt mit Luftröhre und Lunge (wir haben Sie gewarnt). Sie werden in grossen offenen Töpfen angebraten und mit einem Sesambrötchen serviert. Dazu gibt es verschiedene Zutaten. Einige Geniesser träufeln Zitrone in das Brötchen, andere streuen Käse hinein.
Jüdisches Leben heute
Das jüdische Leben hat mittlerweile in Palermo wieder Fuss gefasst. Sichtbare Zeichen dafür sind die dreisprachigen Strassennamen (arabisch, hebräisch, italienisch) im ehemaligen jüdischen Viertel. Nicht so augenfällig, aber noch klarer ist eine Aktion der Katholischen Kirche. Sie hat der jüdischen Gemeinde 2017 das ehemalige Oratorio di Santa Maria delle Grazie (Wikipedia, it) als Synagoge überlassen. Palermitaner legen heute also wieder ausdrücklich Wert auf die mittelalterliche(!) Tradition der Toleranz.
Legenden erleben
Wie wir gesehen haben, war der Ausgangspunkt für 1000 Jahre Street das jüdische Viertel (Visit Jewish Italy, it) in Palermo. Seit 2017 gibt es dort wieder eine Synagoge. Wir sehen Sie auf einem Spaziergang durch das Altstadt-Viertel Loggia.
Um die Position des jüdischen Viertels zu sehen, klappen Sie einfach den Ordner "Legenden und Anekdoten" in unserer Überblicks-Karte (Google Maps) auf.
Dieser Spaziergang führt uns auch über den historischen Markt Vucciria (Wikipedia). Er ist eine Hochburg des Street Foods - insbesondere des pani câ mèusa. Unser Foto zeigt die Street Food-Ikone Rocky Basile (Tripadvisor) bei seiner Arbeit.
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